Chronic


In der Ausgabe der „Schwäbischen Zeitung" vom 3. Juni 1977 fiel jeder­mann unübersehbar eine dicke Überschrift ins Auge: „Schön, daß es noch Vereine wie den ASV Wangen gibt."

Dieser Satz war keine Erfindung eines cleveren Redakteurs oder fanati­schen Vereinsanhängers, sondern eine Aussage unseres verehrten Ober­bürgermeisters Dr. Leist anläßlich des 25jährigen Bestehens unseres Ver­eins. Wir feierten diesen Geburtstag damals ein bißchen verfrüht am Abend des 1. Juni im Großen Saal des damaligen „Bischof-Sproll-Hauses" in der Lindauer Straße.

Wie gesagt, wir feierten ein bischen zu früh, denn das eigentliche Grün­dungsdatum ist in den Protokollen vermerkt mit dem 12. Juli 1952. An diesem Tag wurde der Aufnahmeantrag an den Württembergischen Lan­dessportbund gestellt. Vorausgegangen war am 18. Mai 1952 eine Grün­dungsversammlung unter Leitung des Färbermeisters Uhl im ehemaligen Gasthaus „Linde" in der Karlstraße. Herr Uhl war dann auch der erste Vorstand des ASV.

Der Verein umfaßte nach der Gründung drei Abteilungen: Fußball, Kraft­sport und Tischtennis. Während die Fußballabteilung gedieh, entwickelten sich die beiden anderen Sparten zu Sorgenkindern und wurden 1960 und 1961 aus finanziellen Gründen aufgelöst. Nun einige Überlegungen zur Gründung des ASV. Man kann sie bestimmt nur aus der politischen Situation jener Zeit heraus verstehen. 1945 war der schreckliche 2. Weltkrieg zu Ende gegangen. Es dauerte einige Jahre, bis der letzte deutsche Soldat aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Aus den verlorenen deutschen Ostgebieten und aus dem Balkan strömten Millionen von Menschen als Heimatvertriebene nach Westen.

Unsere Kleinstädte wuchsen. Die Praßbergsiedlung und die Wittwais sind heute noch Zeugen der Eingliederung dieser Menschen. Die Straßennamen wie „Sudetenstraße" oder „Rübezahlweg" und andere erinnern daran. Diese Menschen brauchten aber nicht nur Wohnungen, sondern auch Arbeitsplätze. Wangens Industriebetriebe wuchsen mit. Das heißt, gemes­sen an der Bevölkerungszahl von vor dem Krieg, nahm der Anteil der Arbeiter und Angestellten im Vergleich zu den Geschäftsleuten, Handwer­kern und Bauern kräftig zu. Es gab eben sehr wahrscheinlich viele Neubürger, die den Anschluß an die alleingesessenen Vereine Wangens nicht fanden oder nicht finden wollten Vielleicht wurden sie aber auch von den schon bestehenden Wangener Vereinen nicht angenommen.  Was liegt da näher, als daß einer sagt, was solls, wir gründen unseren eigenen Verein: wir, die Arbeiter und Angestellten. Deshalb hört man bis heute die Version, ASV habe ursprünglich „Arbeitersportverein" geheißen. Sei's drum: Der ASV ist als „Allgemeiner Sportverein" ins Register einge­tragen!

Die Geschichte des ASV hat, wie die Geschichte jedes Vereins, ihre Hochs und ihre Tiefs. Während der Auflösungsphase (Kraftsport und Tischtennis) 1960/61 hatten auch die Fußballer ihre Sorgen, denn die Erste stieg 1961 in die unterste Klasse ob. Aber wie so oft, regen sich im Niedergang neue Kräfte. Unter der Führung von Karl Hasel gelang schon 1963 wieder der Aufstieg in die nächsthöhere Klasse. In dieser konnte man sich bis 1975 halten. Ja, der ASV gehörte zur damaligen Zeit zu den Spitzenmannschaf­ten dieser Klasse und scheiterte einmal knapp an der Meisterschaft, was den Aufstieg in die Bezirksliga bedeutet hätte. Dies hat immer negative Auswirkungen und so kam man 1969 wieder zu der Einsicht, daß es auf lange Sicht ohne eigene Jugendarbeit doch nicht geht. Die Neugründung einer Fußballjugend wurde beschlossen. Ernst Maurus, auch einer der Männer, denen der ASV viel zu verdanken hat, übernahm diese Aufgabe zusammen mit weiteren Betreuern. Aber wiederum wurde die Jugendabteilung 1973 mangels Interesse und mangels genügender Betreuer aufgegeben. Bis ins Jahr 1968 reicht eine, bis dahin für Wangens Fußballsport noch nicht dagewesene sportliche „Erfindung" zurück: ein Laienturnier Für Wangens Sportvereine. Ab damals trafen sich Wangens Sportler jedes Jahr im Juni zum ASV-Turnier. Da kickten dann die Handballer gegen die Boxer, die TT-Cracks gegen die Leichtathleten usw. Auch die Feuerwehr stellte ein Team! Abends war dann immer Siegerehrung mit Tanz in der alten Sporthalle. Die Veranstaltung war sehr beliebt und brachte dem ASV Bedeutung und Ansehen im Kreise der Wangener Sportler. Gedanklicher Initiator und damit Vater dieses Turniers war der damalige 2. Vorsitzende Karl Hasel; heute unser Ehrenmitglied.

Später wurde parallel dazu ein Aktiventurnier mit vier Mannschaften im Stadion mitveranstaltet. Anfang der 80er Jahre kjsrn noch ein „Gerümpelturnier" dazu. So wurde das Ganze zu einer Großveranstaltung, die einen enormen organisatori­schen Aufwand erforderte. Aber die Veranstaltungen verliefen stets rei­bungslos, dank der von Willi Joser ausgeklügelten exakten Turnierpläne. 1984 war die Siegerehrung zürn letzten Male in der Sporthalle, die immer schön geschmückt war mit frischen Laubbäumchen und vielen Fahnen. Grund für das Ende in der Sporthalle waren die enormen Kosten für die Tanzkapellen, welche von Jahr zu Jahr unerschwinglicher wurden.  Die Veranstaltung als solche wurde beibehalten, die Siegerehrung jedoch in ein kleines Bierzelt auf einen der Gehrenberg-Sportplätze verlegt. Ab diesem Jubiläumsjahr soll nun laut Vorstandsbeschluß die ganze Veranstal­tung vorerst mangels Interesse und fehlender Rentabilität nicht mehr statt­finden. Schade drumi Immerhin war dies über 25 Jahre ein Markstein im Ablauf des ASV-Sportjahres gewesen!

Daß sich die Zeiten ändern, und damit auch die Interessen und Schwer­punkte, sah jeder auch daran, daß der ASV schon früh (ab 1965) im Winter Fußballhallenturniere organisierte. Interessanterweise mußten diese am Anfang als Trainingsspiele deklariert werden, da der WFV solche Turniere noch nicht genehmigte. Der ASV war also auf diesem Sektor der Zeit weit voraus. Zuerst waren es Turniere für die Aktiven und die AH-Mannschaften. Dann kamen ab 1980 auch Hallengerümpelturniere auf, die sich heute meist in den ersten Januartagen drei bis vier Tage hinziehen und sich zu einer Mammutveranstaltung auswuchsen. Und nun, da der ASV wieder eigene Jugendmannschaften hat, finden auch noch Jugendturniere in der Halle statt. Bestens geeignet für diese Turniere ist die Argensporthalle, welche die alte Sporthalle ab 1985 abgelöst hat.

1974 wurde Paul Volk zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er blieb es elf Jahre lang; also bis 1985. Er erinnert sich daran, daß es für ihn am Anfang nicht ganz so leicht war, wie es zunächst geschienen hatte. Das Jahresbudget war im Vergleich zu heute minimal; so zwischen 6000 und 7000 DM. Eine eigene Jugendabteilung bestand nicht mehr. Die Mitgliederzahl war knapp über 100. Überraschenderweise stieg dann noch die erste Mannschaft am Ende der Saison 1974/75 in die unterste Spielklasse ab. Weil dann einige erfahrene Spieler aufhörten oder abwanderten, mußte eine ganz neue Elf geformt werden. Es dauerte drei bis vier Jahre, ehe der ASV wieder eine gute Truppe hatte und zu den Spitzenmannschaften der Kreisliga B zählte. Ab 1980 spielte man wieder vorne mit und 1984 hatte die Fußballabteilung dann unter dem damaligen tüchtigen Trainer Fritz Fink und dem langjähri­gen (23 Jahre), erfahrenen Abteilungsleiter Gerhard Frey - inzwischen Ehrenmitglied unseres Vereins - große Erfolge: zunächst wurde unsere I.Mannschaft Bezirkspokalsieger der Kreisligen B im Bezirk Bodensee, dann im Juni Meister ihrer Staffel. Dies hatte den Aufstieg in die Kreisliga A zur Folge. Aber auch die Reserve wurde Meister. Sie wiederholte diese Leistung auch in den folgenden Jahren. Wir konnten damals, was die Zahl der Spieler anbelangte, aus dem Vollen schöpfen.

Durch die sportlichen Erfolge, die gelungene 25-Jahr-Feier 1977, Aktivitä­ten der verschiedensten Art wie Jahresausflüge mit Turnierbesuchen, Weih­nachtsfeiern, Fasnetbälle, Sportfeste, Beschaffung von Sport- und Freizeit­kleidung für Aktive und AH, gelang es, die Anziehungskraft des Vereins zu erhöhen und die Mitgliederzahl auf über 200 zu verdoppeln.  Der 1985 erfolgte Wechsel in der Vereinsführung - Wolfgang Öhler wurde zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt - vollzog sich reibungslos. Wolf­gang Öhler schaffte sich schnell ein, denn er war ja schon seit 1981 zweiter Vorstand gewesen. Ab 1974 machte sich die Vorstandschaft Gedanken darüber, wie wieder Jugendarbeit möglich gemacht werden könnte. Da von jeher viele Querverbindungen zum FC Wangen vorhanden waren und der damalige Jugendleiter des FC Wangen, A. Preg, ein Mann war, mit dem man reden konnte, kam es zwischen dem ASV und dem FC zu der Vereinbarung, eine gemeinsame Jugendarbeit zu betreiben. Ab 1978 wurde beim FC Wangen eine A 2- und eine B 2-Fußballmannschaft geführt, die von ASV-Leuten trainiert, betreut und in die Jugendrunden geschickt wurden. Horst Kriegl und weitere Betreuer stellten sich zur Verfügung. Gemeinsame Jugend­weihnachtsfeiern fanden statt. Bei einer solchen, die im „Hirsch" in Deu­chelried stattfand, sagte der damalige ASV-Vorstand Volk zum mächtigen FC-Präsidenten Selbherr: „Wir brauchen nicht Konfrontation, sondern Ko­operation. Laßt uns Brücken bauen und Stege verbreitern, damit wir zuein­ander finden können."  Ab 1983/84 wurde aber der Ruf nach einer völlig eigenen unabhängigen Jugend immer stärker und als Wolfgang Öhler 1985 ASV-Vorsitzender wurde, nahm er diese Aufgabe gleich in Angriff. Ab 1988 hatte dann der ASV wieder seine eigenen Jugendmannschaften. Heute sind es eine A, D, E und F-Jugend. Chefbetreuer ist unser verdienter Norbert Schwarz, dem gute Leute wie Karl Rau, Stefan Kaiser und andere zur Seite stehen. Möge es beim dritten Anlauf nun endlich klappen!

Nun zurück zur Chronik der Aktiven. 1984 war die erste Mannschaft Mei­ster geworden. Leider stieg sie ein Jahr später wieder ab. Sie spielte dann in der Kreisliga B, wo sie dann 1990 wieder Meister wurde. In den beiden letzten Jahren hielt sie in der Kreisliga A gut mit und hat sich für die Zukunft unter Abteilungsleiter Karl Folge höhere Ziele gesteckt. Bei der Generalversammlung im März 1985 schied Paul Volk aus der Vereinsführung aus und Wolfgang Öhler wurde einstimmig zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt. Mit viel Elan und Energie steuerte er aufs neue alte Ziele an. Von der Gründung einer eigenen ASV-Jugend haben wir schon geschrieben. Als Nächstes gründete er eine Frauengymnastikabteilung für die sportbegeisterten Damen des Vereins. Dieses Vorhaben war bis 1985 stets an der Hallenfrage gescheitert.  Als weitere Abteilung wurde eine Wandergruppe angegliedert. Sie wurde von Franz Huber ins Leben gerufen und seither von ihm und Willi Kaiser gemanagt. Als Folge dieser Errungenschaft führt der ASV nun jährlich im Spätherbst die „Internationalen Wangener Wandertage" durch. Dabei kommen immer 1000 und mehr Wanderfreunde aus dem In- und Ausland. Durch diese vielfältigen Aktivitäten, durch Mitgliederwerbungen und Straf­fung der Vereinsführung über eine neue Satzung gelang es dem ASV, von der Mitgliederzahl her, zu einem Großverein von rund 500 Mitgliedern zu werden.

Nachdem es dem Verein schon Ende der 80er Jahre gelungen war, einen Kleinbus zu erwerben, um die Jugendmannschaften besser transportieren zu können, konnte 1991 ein noch viel größeres Projekt in Angriff genommen werden. Schon lange war es der Wunsch des ASV gewesen, ein eigenes Vereinsheim zu besitzen. Nun ergab sich überraschend die Möglichkeit, ein Jugendvereinsheim westlich der Argensporthalle zu erbauen. Nachdem mit Hilfe der Brauerei Farny die Finanzierung möglich gemacht wurde und die Stadt Wangen grünes Licht gab, wurde bei einer denkwürdigen außeror­dentlichen Generalversammlung im August 1991 einstimmig beschlossen, das Jugendheim sofort zu erstellen. Schon im Oktober 1991 konnte es zur Nutzung freigegeben werden. Durch eine bewundernswerte Gemein­schaftsleistung mit rund 2500 freiwilligen Stunden Eigenleistung war es gelungen, einen alten Traum zu verwirklichen. Wolfgang Öhler und dem ganzen ASV gebührt dafür Anerkennung und Respekt.

Nun feiert unser Verein im Juli 1992 sein 40jähriges Bestehen. Es liegt nun an uns und vor allem auch an der Jugend und den kommenden Generatio­nen, den ASV zu erhalten, ihn mit Leben und Erfolgen zu füllen. Denn wie sagte doch der damalige erste Vorsitzende bei der 25-Jahr-Feier 1977 im Bischof-Sproll-Haus: „In dem kleinen Verein in unserem Städtchen, da wo das Leben noch lebenswert ist, fragt dich keiner, was du hast oder bist". Mit diesem abgewandelten Text des Liedes von Peter Alexander wollte er sagen, daß es beim ASV schön ist, ja, daß mancher da eine zweite Heimat hol. Dies beweisen auch die vielen, vielen langjährigen Mitglieder, die dem ASV oft bis zum Lebensende die Treue halten. Treue Mitglieder und dazu eine tüchtige Vereinsführung sind Garanten für eine gute Zukunft.

Möge der ASV noch lange zum Segen und Nutzen derer bestehen bleiben, die sich zu ihm hingezogen fühlen!

Im Mai 1992

Paul Volk, Gerhard Frey, Karl Hasel

 
Historie der Jugendmannschaften seit 1989 (erstellt mit freundlicher Unterstützung von Dragan Manojlovic)
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